Antibiotikagabe regulieren!

Die Politik muss die Weichen neu stellen bezüglich der Antibiotika-Vergabe an Tiere

Die bisherigen gesetzlichen Maßnahmen hinken der Realität in der industriellen Tierhaltung hinterher, es fehlt an gesetzlichen Regelungen und vor allem an Kontrollen (!). Fakt ist, in der industriellen Massentierhaltung werden in den meisten EU-Ländern und leider auch in Deutschland nach wie vor extrem große Mengen an Antibiotika inklusive Reserveantibiotika eingesetzt. Vorwiegend gesunde Tiere erhalten vorbeugend
Antibiotika, was nachweislich zu einer steigenden Anzahl von multiresistenten Keimen geführt hat.
Laut einem Bericht der European Medicines Agency werden über 91 Prozent der Antibiotika.
in der europäischen Landwirtschaft an ganze Tiergruppen verabreicht.

In Deutschland kommen mehr als 740 Tonnen jährlich ins Futter oder über sog. Medikatoren in die Tränksysteme. In nordischen Ländern, z.B. Schweden ist die routinemäßige Vergabe von Antibiotika an ganze Tiergruppen verboten, hier werden Tiere individuell therapiert.

Pressemitteilung: Etappensieg gegen Reserveantibiotika!


Eindämmung der Antibiotika-Vergabe

Geplante europäische Gesetzgebungsverfahren zur Eindämmung der Antibiotikavergabe durch ein neues Tierarzneimittelgesetz dauern zu lang!
Die EU-Kommission, der Europäische Rat und das EU-Parlament haben sich nach acht Jahren Verhandlung auf ein neues Tierarzneimittelgesetz geeinigt.
Sollten die Zustimmungen in den entsprechenden EU-Gremien im Herbst 2018 erfolgen, müssen dann alle EU-Mitgliedsstaaten bis 2020 diese Bestimmungen in ihrem nationalen Recht verankern, bevor dieses neue EU-Tierarzneimittelrecht voraussichtlich erst 2022 wirksam werden kann. Insgesamt verstreichen somit 12(!) Jahre bis die eklatanten Missstände gesetzgeberisch angegangen werden.
In Anbetracht der rasant zunehmenden Antibiotika-Resistenzen, zig-Tausend Toten und der zunehmend katastrophalen Entwicklung ist das nicht hinnehmbar. Es geschieht politisch definitiv zu wenig und zu langsam.

Wir wollen nicht mit multiresistenten Keimen baden gehen!

Wir brauchen auch dringend flächendeckende gesetzliche Kontrollen von verseuchten Gewässern und Böden durch antibiotika-resistente Keime. Die Situation ist alarmierend. Der Nachweis von multiresistenten Keimen in den Gewässern u.a. in Niedersachsen, dem Bundesland mit einer enorm hohen Dichte an Massentierställen, überrascht keineswegs.

Mit 50 Prozent aller Masthühnchen und einem Drittel aller Legehennen und Schweine in Deutschland ist Niedersachsen ein Zentrum für industrielle Massentierhaltung. Längst müssten derartige Untersuchungen flächendeckend in ganz Deutschland vorgenommen werden.